L-Info

Legionellen gab es schon immer. Aktuell sind mehr als 48 Arten und 70 Serogruppen bekannt. Diese im Wasser lebenden, stäbchenförmige Bakterien sind weltweit verbreitet. Entdeckt wurden sie allerdings erst im Jahr 1977, nachdem ein Jahr zuvor 180 USA Kriegsveteranen nach einem Hotelaufenthalt in Philadelphia erkrankten und 29 an den Folgen einer Pneumonie (heute Legionellose) starben. Der außerordentliche Bezug gab dieser Krankheit ihren Namen: Legionärskrankheit. Die Legionellen verbreiteten sich über die Klimaanlage.

Die optimalen Lebensbedingungen von Legionellen sind warmes und stehendes Wasser mit Frischwassernachspeisung sowie Temperaturen im Bereich von 25 bis 50 Grad C. In Rohrleitungen verbinden sich die Legionellen zu einem Biofilm. Über den Wasserdampf (sog. Aerosole) beim duschen, saunieren, im Whirlpool, beim schwimmen, beim Rasen sprenkeln und auch aus Klimaanlagen und Kühltürmen geraten die Legionellen in die Atemwege und können dort die Legionellose hervorrufen. Menschen mit einem schwächeren Immunsystem, wie Ältere und Kleinkinder, können leichter an einer Legionellose erkranken. Diese Bakterien sind jedoch für jeden Menschen gleich gefährlich.
 

Da Legionellen in jedem Haushalt vorkommen können und Erkrankungen durch diese Bakterien ein hohes Maß eingenommen haben, hat der Gesetzgeber reagiert und die bestehende Trinkwasserverordung (TrinkwV) erstmals im November 2011 und letztmals im Dezember 2012 um den Umfang der kleineren Liegenschaften erweitert.
 

Daraus ergeht folgendes: Wer gewerblich (Vermieter) oder öffentlich tätig ist und Anlagen mit einem Trinkwasserspeicher von mehr als 400 Liter oder ein Leitungsvolumen (ohne Zirkulationsleitung) mit mehr als 3 Liter bis zur weitest entferntesten Entnahmestelle in seinem Gebäude ausweisen kann (ausgenommen sind grundsätzlich 1- und 2-Familienhäuser), betreibt per Definition eine Großanlage und unterliegt fortan einer 3jährlichen Prüfpflicht, erstmals bis zum 31.12.2013. Wer die Prüfpflicht wissentlich ignoriert, handelt vorsätzlich und muss sich im Schadfall verantworten. Es drohen darüber hinaus besonders hohe Geldstrafen.
 

Die Novellierung der Trinkwasserverordnung erfasst erstmals kleine Liegenschaften (ab 3 Wohnungen). Nachdem nahezu jede 6. untersuchte Liegenschaft bedenkliche Werte ausweist und zu jeder 100. gar ein Duschverbot ausgesprochen werden muss, war diese Neuregelung notwendig.
 

Mit der Untersuchung des Trinkwassers wird ein technischer Maßnahmenwert festgestellt. Ist das Ergebnis einer Untersuchung positiv (> 100 cfu/100 ml) und bestätigt sich dieses nach einer wiederholenden (systemischen) Untersuchung, müssen Maßnahmen an der Hausanlage gemäß dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 ergriffen werden. Diese können thermischer oder chemischer Art sein oder eine Erneuerung des Leitungssystems beinhalten.
 

Weitere Fragen? Hier werden Sie fündig!